
Die neueste Live-Sensation: Marshall-Attrappen. Dazu jede Menge verrückter Kids, Freaks und Waffennarren. Klingt nach Rock’n'Roll? Genau. Justice zeigen mit der DVD “A Cross The Universe”, wie man Rockstar-Klischees ganz ohne Gitarren übererfüllt.
“Nothing’s gonna change my world”, hatte John Lennon noch im Refrain des Beatles-Songs “Across The Universe” gesungen. Wer allerdings via Tour-Doku in einer knappen Stunde und rasanten Schnitten durch ein Popstarleben Anno 2008 gezappt wird, der mag sich da nicht mehr so sicher sein. Drei Wochen kompletter Ausnahmezustand auf einer Konzertreise durch Nordamerika beispielsweise müssten doch für einige Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur sorgen. Zumindest für Egomanie, schweren Realitätsverlust und polytoxische Komplikationen der Güteklasse Pete Doherty.
Doch Xavier de Rosnay wiegelt ab. Was auf “A Cross The Universe”, der Live-DVD von Justice, zu sehen ist, sei schließlich nur “0,5% der Wirklichkeit”. Zwar haben der Ed Banger-Hausgrafiker So-Me und Romain Gavras, Regisseur des umstrittenen Videoclips zu “Stress”, unterwegs durch die USA und Kanada mit ihren Digitalkameras praktisch rund um die Uhr auf alles gezielt, was sich irgendwo im Umkreis von Justice bewegte. Doch aus den zweihundert Stunden Videomaterial, die sie so erbeuteten, wurden am Ende nur knapp sechzig Minuten zum finalen Ergebnis zusammengecuttet.
Tour-Zeit sei nun mal Freak-out-Zeit. Eine Pause von der Wirklichkeit. Denn mit den Privatpersonen hinter Justice habe das Ganze nichts zu tun, versichern de Rosnay und sein Partner Gaspard Augé nach einer Vorführung des Films treuherzig. “Wir haben dieses ganze Set-up auf der Bühne und sind selbst nur ein Teil davon”, erzählt de Rosnay. “Ehrlich gesagt sind wir bei den Shows relativ abwesend. Das wäre wahrscheinlich anders, wenn wir Sänger oder Gitarristen in einer Band wären. Dann steht man wirklich im Mittelpunkt. So aber können wir nicht ernsthaft denken: Oh, wir sind so cool! Es ist schwer für uns, uns als Rockstars wahrzunehmen.”
Oberstes Prinzip beim Schnitt des Films sei gewesen, niemanden zu langweilen. Das merkt man. Denn Techno-Bratzer hin, Rockstars her, “A Cross The Universe” gibt sein Bestes, alle nur denkbaren Klischees der Rock’n'Roll-Glorifizierung zu erfüllen. Marshall-Türme kreischen auf die Fans und Groupies, am kalifornischen Pool sitzen lauter Verrückte voller Alkohol und stagediven in die Menge und bei der Flasche-auf-den-Kopf-Prügelei mit nachfolgender Verhaftung nützt die Knarre auch nichts mehr. All das wird ohne Punkt und ohne Komma aneinander gereiht. Und macht dem höchsten Anspruch von Justice an ihre Kunst alle Ehre. Gaspard Augé fasst ihn so zusammen: “Das größte Kompliment für uns wäre: Justice machen Musik für Kids, die ihnen ihre Eltern am liebsten verbieten würden.”
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Könnte diese DVD wieder online gestellt werden? Bitte! Wäre obergeil! Danke schonmal.